Martin Berghofer, Leiter BBE Handelsberatung Österreich: Alles! Wir haben Studierende an der Dualen Hochschule Heilbronn Businesspläne für eine alternative Nutzung einer bestehenden Handelsfläche entwerfen lassen. In allen Konzepten waren starke Community-Aspekte: Cafés, Pop-ups, ergänzende Sortimente, Gaming-Flächen, Reparaturservice. Die junge Generation hat verstanden, dass man als Laden einen anderen Share of Life des Kunden abholen muss, als nur Kleidung zu verkaufen.
Die nächste Generation Unternehmer ist purpose-driven, akzeptiert keine Führungskräfte per Titel, sondern nur per Kompetenz und ist von Anfang an selbstbewusst genug, Fragen zu stellen und gibt sehr direktes Feedback. Ja, das tut manchmal weh und das ist ungewohnt für unsere Generation, ich hätte mich das in diesem Alter auch noch nicht getraut. Aber ich mag diesen Geist sehr. Die wollen!
Aktuell ist es für junge Menschen und Konzepte fast unmöglich, an Kapital zu kommen, auch die hohe Bürokratie verhindert viel. Eine aktuelle Statistik zeigt, dass sich grundsätzlich rund 40 Prozent der jungen Menschen mit dem Gedanken an Gründung tragen, aber nur neun Prozent bleiben dann übrig. Dazwischen verlieren wir viele, die sagen, ihnen fehlen die wirtschaftlichen Kompetenzen. Das kann man ändern.
Wir brauchen niederschwelligere Einstiegsangebote, zum Beispiel bei Franchise. Ich rate Verbänden und Systemlieferanten, die ja alle auf ein riesiges Nachwuchsproblem zulaufen, sich einfache Konzepte zu überlegen, die die Übergabe an gute Mitarbeitende möglich machen. Nicht jeder kann Cashflow- oder Einkaufsplanung, in einem neuen Verständnis von Handel muss es möglich sein, das substituieren zu dürfen. Außerdem brauchen diese Unternehmer auch wieder Ausstiegszenarien. Die Generation Lebensabschnittspartner bindet sich nicht für ein ganzes Berufsleben.