Text: Janaina Engelmann-Brothánek Bilder: Elisa Gaito
Elisa Gaito, Gründerin und Inhaberin Elisa Gaito Showroom: Die Saison läuft besser als erwartet, und das ist eine wunderbare Überraschung. Auch wenn die allgemeine Lage zu Beginn der Saison nicht optimal war, haben sich bestimmte Themen herauskristallisiert. Entscheidend ist heute, dass Kollektionen konkrete Verkaufserfolge bringen – das gibt uns große Zufriedenheit. Wir sehen zudem, dass die Einzelhändler wieder zu echten Kuratoren werden. Sie haben eine klare Vision für ihre physischen Geschäfte, die sich letztlich auf den Endkunden überträgt. Dieser Prozess ist spannend, weil wir erkennen, dass beim Einkaufen gezielt nach diesem kuratierten Angebot gesucht wird.
Elisa Gaito: „Konkret“ bezieht sich sowohl auf die Kollektionen als auch auf deren wirtschaftliche Auswirkungen. Es geht nicht nur um Trends, sondern um Kollektionen, die sich stabil am Markt behaupten. Unsere Kunden sind derzeit weniger experimentierfreudig, weil sie in unsicheren Zeiten keine hohen Risiken eingehen möchten. Gleichzeitig erkennen sie neue, frische Ansätze, die sie gezielt in ihr Sortiment aufnehmen. Es geht um eine Balance zwischen bewährten Marken und innovativen Neuzugängen, die eine sichere Investition darstellen. Die Käufer setzen verstärkt auf Individualität und Authentizität, anstatt sich blind dem Mainstream hinzugeben.
Elisa Gaito: Wir beobachten, dass der persönliche Austausch zwischen Einzelhändlern und ihren Kunden wieder an Bedeutung gewinnt. Nach Jahren der Digitalisierung, die oft anonym und entmenschlicht war, sehnen sich die Kunden nach echter Beratung und einer individuellen Shopping-Erfahrung. Gleichzeitig kämpfen viele Geschäfte mit der Preistransparenz des Onlinehandels. Die Herausforderung besteht darin, dem Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis zu bieten, das über den reinen Preisvergleich hinausgeht. Der Trend geht zurück zu spezialisierten Kollektionen, die gezielt auf bestimmte Kundengruppen zugeschnitten sind – eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Modehandels.
Elisa Gaito: Nach einer langen Phase, in der Oversized-Schnitte und androgynes Styling dominierten, beobachten wir eine Rückkehr zu feminineren Silhouetten. Es geht dabei nicht um „sexy“ im klassischen Sinne, sondern um moderne, sinnliche Weiblichkeit. Die Proportionen verändern sich subtil, die Mode wird körperbetonter, aber ohne dabei an Coolness zu verlieren. Diese Entwicklung ist jedoch stark abhängig von der jeweiligen Kundschaft und Region. Die Kunden in Turin haben andere Vorlieben als diejenigen in Neapel oder München – und genau diese Diversität macht den Modehandel so spannend.